Rich Communication: Erklärung, Potenziale, Deaktivierung

15. August 2017 | 13:13 Uhr | Robert Gatnar
Rich Communication Systems RCS Header

Nach der SMS und der wenig genutzten MMS gibt es seit 2012 den Nachrichten-Standard Rich Communication Service (RCS). Nun stellen wir fest, dass diese Sendemöglichkeit bis heute wenig Beachtung bei unseren Kunden gefunden hat. WhatsApp, Telegram, der Facebook-Messenger und Co haben mit ihren mehreren Milliarden Nutzern die Nase vorn. Und das obwohl der Rich Communication Service in einigen Belangen das Leben der Nutzer noch weiter vereinfachen könnte. In diesem Blogbeitrag gebe ich Ihnen einen Überblick über den aktuellen Stand der Technologie rund um RCS.

 

Was ist Rich Communication Services (RCS) / Joyn?

Rich Communication ist ein Messenger-Service der Mobilfunkindustrie, welcher 2012 das erste Mal von den großen Mobilfunkkonzernen ins Leben gerufen wurde. Zunächst war er damals unter dem Namen „Joyn“ bekannt. Er stellt den Gegenentwurf zu den frei verfügbaren Messengern von WhatsApp, Apple, Facebook und Co dar. Das Programm ermöglicht das Verschicken von Kurznachrichten, Chats, Video-Telefonie, Ortsangaben sowie jeglicher Dateien. Im Gegensatz zur etablierten Konkurrenz kann der Dienst sowohl über das LTE oder das heimische WLAN genutzt werden als auch über das Mobilfunknetz.

Oft hören wir von Kunden die in unseren Shop kommen, dass Sie der Meinung sind, der RCS-Dienst verursache Extrakosten bei ihnen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Kosten richten sich ganz normal nach den jeweiligen Konditionen in deren Vertrag. Da Internet-, SMS-, MMS sowie Telefonie-Flats mittlerweile zum Standard gehören, fallen in den meisten Fällen keine Mehrkosten für unsere Kunden an.

Der große Vorteil des Dienstes ist außerdem, dass dieser Service auf den meisten Geräten ohne eine zusätzliche Installation einer Software funktioniert. Der Großteil der Mobilfunkanbieter liefert diese nämlich schon beim Kaufen des Smartphones mit aus. Der Nutzer muss somit nicht darauf achten, ob der jeweilige Freund oder die Freundin die passende App hinzugefügt hat, da jedes Handy und Smartphone sofort damit kompatibel ist. Zumindest, wenn es sich um neuere Handys handelt.

Senden eines Standorts über Android Messages

 

Wo finde ich den Service auf meinem Handy?

Für unsere Kunden ist oft verwirrend, dass der Service nicht bei allen Herstellern und Mobilfunkanbietern gleich heißt. Vodafone setzt ihn unter dem Namen „call+ & message+“ in Szene. Die Telekom kürzt den Titel auf „message+“ ein. O2 und E-Plus tauschen den Namen einfach um und nennen den Service „message+call“. Die Messenger werden von den meisten Geräten seit 2015 unterstützt. Neben Sony, Samsung, LG, Blackberry und Nokia sind auch Motorola, HTC, Alcatel, ZTE sowie Huawei Hersteller, die entsprechende Software in aller Regel ab Werk ausliefern. Somit sollte der größte Teil des Mobilfunkmarktes versorgt sein.

Handy-Besitzer aller anderen Hersteller werden hier jedoch nicht grundlegend ausgeschlossen. Diese haben die Möglichkeit, den entsprechenden Service im App- oder PlayStore des jeweiligen Betriebssystems herunterzuladen. Hierbei kann es zu kleinen Einschränkungen im Umfang kommen. Die Nutzung eines Gruppenchats mit bis zu 120 Teilnehmer funktioniert beispielsweise nur auf den aktuellen Geräten wie einem Samsung Galaxy S8. Bei der Fülle an Anbietern, ist es für unsere Kunden gut zu wissen, welche Apps dafür gut geeignet sind.

Gerade neu gestartet ist beispielsweise ein eigener Messenger vom Weltkonzern Google, welcher auch den neuen Rich Communication Standard unterstützt. Dieser wurde zunächst unter dem Namen „Messenger“ bekannt. Mittlerweile hält Google es etwas neutraler und nennt den Dienst nur noch „Android Messages“ und versucht damit in Zukunft WhatsApp, Facebook Co vom umkämpften Markt zu verdrängen, um das Monopol im Verschicken von Nachrichten und Dateien zu erlangen. Anbei für Sie zur Vollständigkeit der Link zur App im Google Play Store.

 

Wo liegt der Unterschied zu WhatsApp, Facebook und Co?

Als wir am Anfang von den Grundfunktionen der diversen RCS-Messengers gehört haben, fragten wir uns natürlich schnell, wo denn nun genau der Unterschied zu der stark etablierten Konkurrenz liegt. Diesen erkennt man nämlich erst, wenn man etwas genauer hinter das Konzept und die Möglichkeiten des Standards schaut. RCS-Messenger bündeln in der Regel alle derzeit verfügbaren Kommunikationswege in einer Anwendung. Egal ob SMS, MMS, RCS oder Kommunikation über das Internet – alles ist möglich.

Außerdem können mit dem neuen Standard wichtige Information und Transaktionen grafisch aufbereitet und dargestellt werden. Das Buchen eines Hotelzimmers oder die Sitzplatzreservierung im Flugzeug kann somit kinderleicht direkt über die App stattfinden und benötigt keinen extra Aufruf des Browsers.

Rich Communication Systems RCS Beispiel 1

Flugticket sowie Standortanzeige über Android Messages

Diese Art von Service hat es jedoch leider noch nicht wirklich nach Europa geschafft. Unseren Informationen nach erfährt diese Art der Kommunikation jedoch in Amerika immer größere Beliebtheit. Bei einer erfolgreichen Implementierung in das amerikanische Alltagsleben sollte damit gerechnet werden, dass der Trend ca. ein Jahr später auch bei uns in Deutschland angekommen sein wird.

Ein weiterer Vorteil ist, dass der Rich Communication Service Dienst über den AppStore bzw. PlayStore Ihres Smartphones aktualisiert wird. Dadurch können Sicherheitslücken wesentlich schneller geschlossen werden, als bei der veralteten SMS-Technik. Bei dieser ist ein komplettes Systemupdate notwendig, um eine aktualisierte Version auf die Geräte zu implementieren. Ihr Smartphone bleibt somit sicher.

Auch in Bezug auf den Datenschutz, kann der Rich Communication Standard im Vergleich zu seinem Konkurrenten wie WhatsApp punkten. Während beispielsweise WhatsApp alle Telefonnummern eines Handys auf den eigenen Servern abspeichert, um zu schauen, welcher Kontakt bereits WhatsApp nutzt, erfolgt per Rich Communications Suite lediglich eine direkte Abfrage von Telefon zu Telefon. Dadurch werden keinerlei Informationen über Ihre Kontakte auf dritten Servern gespeichert.

Ein weiterer Vorteil ist, dass der User beim Verschicken einer RCS-Nachricht nicht auf eine funktionierende Internetverbindung angewiesen ist. Egal ob Sie oder Ihr Kontakt Datenvolumen zur Verfügung hat, Ihre Nachricht kommt immer an, da sie über das normale Mobilfunknetz gesendet wird.

 

Rich Communication Suite bei Samsung und Co deaktivieren

Da der neue Standard einen sehr schweren Einstand erfahren hat und gegen die vorherrschende Konkurrenz nur schwer ankommt, versuchen viele Hersteller die Nutzer zu RCS zu lenken. Dies erfolgt oft durch aufblinkende Benachrichtigungen, die einen auffordern den Service zu starten. Verneint man diese Nachricht, so kommt sie nach wenigen Augenblicken einfach wieder. Daher stellt sich die Frage, wie man Rich Communication z.B. beim Samsung Galaxy deaktiviert.

Rich Communication Systems RCS Beispiel 3

Versand eines Flugtickets über Android Messages

 

Ausschalten kann man diese Nachrichten nur, indem man in die Einstellungen der Standard Nachrichten-Chat-App geht und dort Rich Communication deaktiviert. Unter Umständen wird dieser Service auch als „Message+“ in den Einstellungen hinterlegt. Auch hier müssten Sie den Dienst einfach deaktivieren. Oft ist der Einstellungspunkt gut versteckt. Falls Sie nicht sofort klar sein sollte, wo Sie RCS deaktivieren können, schauen Sie auch unter „Mehr“ oder „erweiterten Einstellungen“ nach.

 

Lohnt sich der Umstieg?

Sicherlich bieten der neue Kommunikationsstandard Rich Communication als auch die dazugehörigen neuen Messenger tolle neue Features, die WhatsApp und Facebook bisher noch nicht umsetzen konnten.  Gerade im Business-Bereich ergeben sich hier vielfältige Möglichkeiten. Jedoch gibt es noch ein grundlegendes Abdeckungsproblem. Auch wenn die Telekom, Vodafone und O2 dabei sind RCS auf alle Geräten freizuschalten, so sind beispielsweise einige Drittanbieter von dem Service ausgeschlossen.

Ebenso werden einige ältere Geräte nicht dafür unterstützt. Wir glauben, dass eine uneingeschränkte Nutzung in ca. ein bis zwei Jahren möglich sein wird. Bis dahin wird jedes Telefon und Mobilfunkanbieter den Service unterstützen. Bis dahin wird es wohl eher schwer sein das Gewohnheitstier Mensch von seinen bisher so geliebten Nachrichten-Apps auf einen neuen Messenger umzuwöhnen.


Sie haben weitere Fragen zu diesem oder einem anderen Thema? Melden Sie sich gern einfach bei uns im Shop. Wir versuchen Ihr Anliegen kompetent zu beantworten. Wenn Sie aus einer anderen Region kommen, haben Sie die Möglichkeit Ihre Fragen auf fragprofis.de zu stellen oder einfach hier im Blogbeitrag zu kommentieren. Wir hoffen sehr, dass wir Ihre Fragen zu Rich Communication ausreichend beantworten konnten. 🙂

Robert Gatnar

eb24 - einfach mehr service, Dortmund

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4 Kommentare
Bernhard Kraemer

Aus Ihrem Beitrag ist für mich nicht erkennbar, unter welchen Umständen RCS doch kostenpflichtig ist und was RCS dann kostet. Das letzte, was ich brauche, ist eine weitere Kostenfalle.

Toni Steiner

Schönen guten Tag,

danke für Ihr Feedback. Ob Rich Communication für Sie etwas kostet, hängt von Ihrem Mobilfunktarif ab. Je nach Umfang Ihres Mobilfunktarifes können Extrakosten entstehen. Der Großteil der heutigen Tarife deckt jedoch das Portfolio komplett ab. Erfragen Sie die Konditionen einfach bei Ihrem Anbieter.

Freundliche Grüße

Edgar König

Alleine schon das l ä s t i g e immer wieder erscheinen der Anfrage ob ich dieses Programm möchte, hält mich davon ab es mir jemals zuzulegen. Sehr lästig.

Toni Steiner

Schönen guten Tag Herr König,

ich kann Ihren Frust absolut nachvollziehen. Sie können die Nachricht, wie im Text beschrieben, in aller regel auch ausstellen.
Trotz dieser lästigen Meldungen lohnt es sich mal über die Neuerungen nachzudenken. Soll es Ihr Leben am Smartphone doch verbessern.

Freundliche Grüße
Toni Steiner

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