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Rabatte gegen Daten: Der Tauschhandel in Supermarkt-Apps
Supermarkt-Apps haben unsere Smartphones erobert. Sie versprechen Rabatte, Coupons und Komfort. Was viele vielleicht nicht wissen: Nutzer von Supermarkt-Apps geben sehr viele Daten von sich preis. Ein prüfender Blick in die Datenschutzeinstellungen informiert.
Inzwischen werden wir an fast jeder Supermarktkasse gefragt, ob wir die App oder die digitale Kundenkarte des jeweiligen Geschäfts nutzen. Deswegen haben Verbraucher häufig nicht nur die App eines Supermarkts, sondern gleich mehrere auf ihrem Smartphone.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Supermarkt-Apps: Bequemes Einkaufen per Smartphone
- 2 Welche Supermarkt-Apps und Rabattangebote gibt es wirklich?
- 3 Händler-Apps mit eigenen Rabattaktionen
- 4 Bonus- und Multi-Partner-Programme
- 5 Aggregator-Apps für Prospekte & Deals
- 6 Rabatte gegen Daten: Was wirklich getauscht wird
- 7 Datenschutzeinstellungen bewusst prüfen
- 8 Clever sparen und digitale Kontrolle behalten
- 9 Fazit
Supermarkt-Apps: Bequemes Einkaufen per Smartphone
Supermarkt-Apps sind aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Digitale Kassenbons, exklusive Coupons oder personalisierte Angebote machen den Einkauf auf den ersten Blick einfacher und günstiger. Auch ich verstehe den Reiz dieser Apps, schließlich versprechen sie echte Vorteile. Doch je selbstverständlicher wir sie nutzen, desto seltener hinterfragen wir, was im Hintergrund passiert.
Welche Supermarkt-Apps und Rabattangebote gibt es wirklich?
Viele große Supermarktketten und Discounter in Deutschland haben inzwischen eigene Apps, über die Du Rabatte, Coupons, digitale Prospekte, Bonusaktionen oder Treueprogramme bekommst, aber oft auch persönliche Daten teilst.
Händler-Apps mit eigenen Rabattaktionen
EDEKA App:
• Bietet exklusive Rabatte, Treueaktionen, besondere Gewinnspiele und manchmal auch Direktzahlung in der App an
• Integration mit Bonusprogrammen wie PAYBACK möglich, wodurch Du zusätzlich Punkte sammelst
PENNY App:
• Stellt wöchentlich wechselnde Coupons, exklusive App-Preise und einen monatlichen Rabattsammler zur Verfügung
• Je nach Einkaufsvolumen kannst Du extra Rabattgutscheine freischalten
REWE Bonus App:
• REWE hat sein eigenes Bonusprogramm gestartet und bietet viele Rabatte direkt in der App ohne Payback-Kopplung an
• Nutzer bekommen personalisierte Angebote, wenn sie die App nutzen
Lidl Plus App:
• Eine der beliebtesten Rabatt-Apps: Hier findest Du regelmäßig digitale Coupons, personalisierte Angebote und Gewinnspiele
• Lidl kombiniert dabei oft einfache Rabatte mit spielerischen Elementen wie Rubbellosen
Kaufland Card und andere Bonusprogramme:
• Kaufland bietet über seine Bonuskarte ebenfalls Rabatte und Aktionen, meist digital verwaltet
• Netto, Norma und andere Supermärkte haben teils eigene digitale Rabatt-Optionen innerhalb ihrer Apps bzw. Kundenprogramme
Bonus- und Multi-Partner-Programme
PAYBACK:
• Kein klassischer Händler, sondern ein Bonussystem, bei dem Du bei vielen Partnern Punkte sammelst, auch bei teilnehmenden Supermärkten wie EDEKA, Netto und Marktkauf
• Die gesammelten Punkte können später in Rabatte, Gutscheine, Prämien oder eine Geldauszahlung auf ein Bankkonto umgewandelt werden
Aggregator-Apps für Prospekte & Deals
Es gibt auch unabhängige Apps wie kaufDA, MeinProspekt oder smhaggle, die Angebote und Prospekte vieler Händler an einem Ort zusammenbringen, teilweise mit extra Coupons oder Cashback-Deals.
Spannend ist in dem Zusammenhang, dass ausgerechnet ein Anbieter aus dem Prospekt-/Deal-Umfeld (Smhaggle) auch harte Zahlen dazu geliefert hat, wie viel Rabatt-Apps wirklich bringen. Smhaggle hat zwischen Januar und März 2025 rund 1,26 Mio. Kassenbons ausgewertet und das Ergebnis fällt deutlich nüchterner aus als das Rabatt-Versprechen vieler Apps: Selbst beim „Bestwert“ der Kaufland Card lagen die Einsparungen im Quartal im Schnitt bei 2,29 % der Gesamtausgaben. Bei Rewe Bonus waren es 0,82 %, bei der Penny-App nur 0,75 %.
Zu beachten ist dabei, dass die App-Rabatte häufig eher ein kleiner Bonus als ein echter Sparhebel sind, vor allem, wenn Du nicht ohnehin genau die Produkte kaufst, auf welche gerade Coupons aktiv sind.

Quelle: AdobeStock_603229179
Rabatte gegen Daten: Was wirklich getauscht wird
Was viele nicht wissen: Supermarkt-Apps erfassen weit mehr als nur den eingelösten Coupon. Gesammelt werden unter anderem Einkaufsverhalten, Produktvorlieben, Nutzungszeiten und teilweise auch Standortdaten. Diese Informationen ermöglichen es Unternehmen, detaillierte Nutzerprofile zu erstellen und Werbung gezielt auszuspielen. Der Rabatt an der Kasse ist damit oft Teil eines stillen Geschäfts: Preisnachlass gegen Deine persönlichen Daten.
Was „Daten gegen Vorteile“ konkret heißt, lässt sich gut am Beispiel Lidl Plus zeigen. Laut Markt-und-Mittelstand werden bei der Anmeldung u. a. Vorname, Alter, Geschlecht und bevorzugte Filiale erfasst; optional auch Adresse und Nachname (z. B. für Onlinebestellungen). Und bei jedem Einkauf kommen Details hinzu: gekaufte/retournierte Waren, Zeitpunkt, Filiale und Zahlungsart.
Der entscheidende Punkt ist, dass diese Informationen für Händler extrem wertvoll sind. Sie können damit die Angebotssteuerung, Prospektverteilung, Filialplanung und personalisierte Werbung deutlich präziser und angepasst auf spezifische Zielgruppen ausspielen.
Datenschutzeinstellungen bewusst prüfen
Mein klarer Rat: Wirf regelmäßig einen Blick in die Datenschutzeinstellungen Deiner Apps. Nicht jede Berechtigung ist zwingend erforderlich. Muss Dein Standort dauerhaft freigegeben sein? Werden Daten an Partner oder Drittanbieter weitergegeben? Viele Funktionen lassen sich anpassen, ohne dass Du auf Rabatte verzichten musst. Ein paar Minuten Aufmerksamkeit können hier einen großen Unterschied für die Übermittlung Deiner individuellen Daten und Nutzungsgewohnheiten machen.
Clever sparen und digitale Kontrolle behalten
Gerade zum Jahresbeginn lohnt es sich, digitale Routinen zu überdenken. Weniger Apps, bewusst gesetzte Berechtigungen und ein kritischer Blick sorgen dafür, dass Du die Kontrolle über Deine Daten behältst und trotzdem von digitalen Vorteilen profitierst. Technik soll Dich unterstützen, nicht ausbremsen.
Dass diese Logik nicht nur ein „Bauchgefühl“ ist, zeigt auch die wirtschaftliche Seite: Eine IFH-Umfrage (2024) kommt laut Bericht zu dem Ergebnis, dass 56 % der App-Nutzer häufiger bei einem Händler einkaufen und ein Drittel mehr Geld ausgibt. Die Apps wirken also nicht nur rabattierend, sondern auch bindend und verkaufsfördernd.
Zusätzlich ist das Thema inzwischen rechtlich umkämpft: Der vzbv hat eine Unterlassungsklage gegen Lidl eingereicht, weil aus seiner Sicht nicht klar genug kommuniziert werde, dass Nutzer „mit Daten bezahlen“. Seit Juli 2025 befasst sich das OLG Stuttgart damit; ein Urteil wurde für den 23. September 2025 erwartet.
Fazit
Supermarkt-Apps gehören für viele längst zum Alltag. Sie bieten Komfort, sparen Zeit und versprechen finanzielle Vorteile. Genau deshalb werden sie oft ganz selbstverständlich genutzt, ohne sich intensiv mit den dahinterliegenden Mechanismen zu beschäftigen. Doch Rabatte sind selten kostenlos. In vielen Fällen bezahlst Du sie mit persönlichen Daten, die gesammelt, ausgewertet und weiterverarbeitet werden.
Mein Fazit ist klar: Supermarkt-Apps sind kein Problem, solange Du sie bewusst nutzt. Wer weiß, welche Daten erhoben werden, und seine Einstellungen regelmäßig prüft, kann von digitalen Vorteilen profitieren, ohne die Kontrolle abzugeben. Transparenz beginnt dabei auf Deinem Smartphone, in den App-Berechtigungen und Datenschutzoptionen.
Gerade zum Jahresbeginn 2026 ist jetzt der richtige Zeitpunkt, digitale Gewohnheiten zu hinterfragen. Welche Apps brauchst Du wirklich? Welche dürfen dauerhaft auf Standort, Kontakte oder Nutzungsdaten zugreifen? Bewusste Entscheidungen stärken Deine digitale Selbstbestimmung und sorgen dafür, dass Technik Dir dient, nicht umgekehrt.
Update zur Rechtslage: Am 23.09.2025 hat das OLG Stuttgart (Az. 6 UKl 2/25) die Klage des vzbv gegen Lidl abgewiesen. Nach Auffassung des Gerichts darf Lidl „Lidl Plus“ weiterhin als „kostenlos“ bezeichnen, weil „Preis“ im einschlägigen Kontext als Geldleistung verstanden werde – nicht als Daten-Gegenleistung.
Der vzbv kritisiert das deutlich („Bonus-Apps sind keineswegs kostenlos…“) und will die Grundsatzfrage „Bezahlen mit Daten“ höchstrichterlich klären lassen. Eine Revision zum BGH ist damit der nächste Schritt, für Dich heißt das: Das Thema bleibt in Bewegung, umso wichtiger ist bewusste App-Nutzung und ein regelmäßiger Datenschutz-Check.
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