Digitaler Nachlass: So regelst Du Deine digitale Identität für die Zukunft

3. April 2025 | 7:07 Uhr | Robert Gatnar
In der heutigen digitalen Welt hinterlassen wir mit jedem Login, jeder E-Mail und jedem Social-Media-Post Spuren. Doch nur wenige Menschen machen sich Gedanken darüber, was mit ihren digitalen Daten nach ihrem Tod passiert. Dabei kann ein ungeklärter digitaler Nachlass für Angehörige zur großen Herausforderung werden: Konten bleiben aktiv, Abonnements laufen weiter, und sensible Daten könnten ungeschützt im Netz verbleiben.
Ein geordneter digitaler Nachlass stellt sicher, dass Deine Online-Identität und digitalen Vermögenswerte nach Deinem Tod gemäß Deinen Wünschen verwaltet werden. Doch wie gehst Du am besten vor? In diesem Leitfaden erfährst Du Schritt für Schritt, wie Du Deinen digitalen Nachlass professionell regelst.

Warum ist digitaler Nachlass so wichtig?

Nach dem Tod bleibt das digitale Leben bestehen – oft ohne, dass Angehörige Zugang zu wichtigen Informationen haben. Ohne klare Regelungen kann es schwierig bis unmöglich sein, Konten zu löschen, Verträge zu kündigen oder Erinnerungen zu bewahren. Einige Herausforderungen, die entstehen können:

Rechtliche Hürden: Online-Konten unterliegen teils strengen Datenschutzbestimmungen, die Dritten den Zugriff verwehren.
Automatische Zahlungen: Laufende Abonnements oder digitale Verträge können weiterhin abgebucht werden.
Identitätsdiebstahl: Ungepflegte oder ungeschützte Accounts könnten Ziel von Betrug oder Missbrauch werden.
Unklarheit für Angehörige: Ohne klare Anweisungen wissen Hinterbliebene oft nicht, wie mit digitalen Inhalten umzugehen ist.
Indem Du Deinen digitalen Nachlass frühzeitig planst, kannst Du nicht nur Deine eigenen Wünsche festhalten, sondern auch Deinen Angehörigen emotionale und bürokratische Lasten ersparen.

Quelle: Adobe Stock: 588496077

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Regelung des digitalen Nachlasses

1. Bestandsaufnahme Deiner digitalen Vermögenswerte

Erstelle eine Liste aller wichtigen digitalen Konten, um einen Überblick über Deinen digitalen Nachlass zu bekommen.
Dazu gehören:
  • E-Mail-Konten (Gmail, Outlook, Yahoo etc.)
  • Social-Media-Profile (Facebook, Instagram, Twitter, LinkedIn etc.)
  • Cloud-Speicher & Online-Dienste (Google Drive, Dropbox, OneDrive)
  • Online-Banking & Finanzdienste (PayPal, Krypto-Wallets, Trading-Accounts)
  • Streaming- & Abo-Dienste (Netflix, Spotify, Amazon Prime)
  • Domains & Websites, falls Du eine besitzt
Diese Liste sollte regelmäßig aktualisiert und sicher aufbewahrt werden, sodass sie im Ernstfall für eine Vertrauensperson zugänglich ist.

2. Zugangsdaten sicher verwalten

Ohne Zugangsdaten sind viele Online-Konten für Angehörige schwer oder gar nicht erreichbar. Es gibt mehrere Möglichkeiten, Passwörter sicher zu hinterlegen:
  • Passwort-Manager nutzen: Programme wie 1Password oder LastPass speichern Zugangsdaten verschlüsselt und ermöglichen eine Notfallfreigabe.
  • Physische Liste hinterlegen: Eine handschriftliche Liste mit allen relevanten Logins kann an einem sicheren Ort aufbewahrt werden.
  • Vertrauensperson benennen: Bestimme eine Person, die im Ernstfall Zugriff auf Deine Konten erhalten darf.
Wichtig: Manche Dienste (z. B. Google und Apple) ermöglichen es, bereits zu Lebzeiten eine Person als digitalen Nachlassverwalter zu benennen.

3.Digitale Vollmacht oder Testament aufsetzen

Damit Angehörige Deine digitalen Konten gemäß Deinen Wünschen verwalten oder löschen können, solltest Du eine digitale Vollmacht oder ein Testament für digitale Daten erstellen. Dabei kannst Du festlegen:
  • – Welche Konten gelöscht oder erhalten bleiben sollen
  • – Wer Zugriff auf welche Daten bekommt
  • – Was mit digitalen Vermögenswerten (z. B. Kryptowährungen) geschehen soll
Ein solches Dokument kann privat erstellt oder notariell beglaubigt werden, um eine rechtliche Grundlage zu schaffen.

4. Social-Media-Profile gezielt verwalten

Viele Plattformen bieten spezielle Regelungen für den Umgang mit verstorbenen Nutzern. Hier einige Optionen:
  • Facebook & Instagram: Möglichkeit, das Profil in einen Gedenkstatus zu versetzen oder durch eine Vertrauensperson löschen zu lassen.
  • Google: Über den „Inactive Account Manager“ kann festgelegt werden, wer nach einer Inaktivitätsphase Zugriff auf die Daten erhält.
  • LinkedIn & Twitter: Konten können auf Antrag von Angehörigen gelöscht werden.
Durch eine gezielte Regelung kannst Du sicherstellen, dass Dein digitales Erbe im Sinne Deiner Wünsche behandelt wird.

5. Laufende Abonnements und Verträge kündigen

Viele digitale Dienste laufen nach dem Tod einfach weiter, was unnötige Kosten verursacht. Daher ist es wichtig, eine Liste aller laufenden Abos zu hinterlegen, darunter:
  • – Streaming-Dienste (Netflix, Spotify, Amazon Prime)
  • – Online-Zeitungen & Zeitschriften-Abos
  • – Cloud-Dienste (Dropbox, Google Drive)
  • – Software-Lizenzen (Adobe, Microsoft)
Hinterbliebene sollten wissen, welche Abonnements bestehen und wie sie gekündigt werden können.

6. Rechtliche Aspekte beachten

Nicht alle digitalen Inhalte sind vererbbar. Viele Medien, die wir online kaufen, sind nur lizenziert und nicht übertragbar. Das betrifft:
  • – Musik & Filme (Spotify, Apple Music, Netflix)
  • – E-Books (Amazon Kindle, Apple Books)
  • – Software-Lizenzen
Es lohnt sich, genau zu prüfen, welche digitalen Werte tatsächlich weitergegeben werden können und welche nur an das eigene Nutzerkonto gebunden sind.

Quelle: Adobe Stock 1204921356

Fazit: Die digitale Zukunft bewusst gestalten

Ein geregelter digitaler Nachlass ist nicht nur ein Zeichen von Weitsicht, sondern auch eine große Erleichterung für Angehörige.
Wer sich frühzeitig darum kümmert, kann sicherstellen, dass sein digitales Erbe in guten Händen liegt.
Jetzt handeln:
  • – Bestandsaufnahme Deiner Online-Konten machen
  • – Passwörter sicher hinterlegen
  • – Eine digitale Vollmacht oder ein Testament aufsetzen
  • – Social-Media-Profile entsprechend verwalten
  • – Abonnements und Verträge dokumentieren
Durch diese Maßnahmen sorgst Du dafür, dass Deine digitale Identität auch über Dein Leben hinaus verantwortungsbewusst behandelt wird.

Robert Gatnar

eb24 - einfach mehr service, Dortmund

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